Vojislav Vujanovic, Sarajevo 1993:

(Vojislav Vujanovic ist anerkannter Theater- und Kunstkritiker. Er schrieb die Kritik anläßlich der 40. Ausstellung von Mirsad Dzombic 1993 in Sarajevo.)

"... Es ist offensichtlich: Mirsad Dzombic ist ein lyrischer Charakter.
Die grundlegende Wertkomponente, wonach er in der Welt um sich sucht, ist: etwas Schönes, selbstständig bis zur reinen Attributivität der Objekte und befreit von irgendwelchen gesellschaftlichen Koordinaten. Sogar noch mehr. Das Schöne ist ein Wert, das aus der demijurischen Arbeit der Natur hervorgeht, weil es seine Inspiration immer in freien Naturambienten sucht, die von Menschentätigkeiten verschont sind, und all dem, was von diesem die Folge ist, an der ersten Stelle seiner historischen Wirkung. Die Natur zieht sich in sein Werk in allen ihren Aspekten. Doch, das Sublimat des Poetischen entdeckt er in Winterszenen, oder bestimmter: die Schönheit sucht ihre klarste Form in Schneekristallen, in der höchsten Kondensation des Weissen, wenn es beginnt, in seiner Übersättigung die Nuancen des Blau anzunehmen, um zu einem Spektrum des Illusiven zu transformieren, das sich nicht nur von atmosphärischen Bedingungen ändert, sondern auch von der Ecke unter der das Tageslicht auf die Leinwand fällt, von der Tageszeit, wenn die Leinwand beleuchtet wird und wenn wir sie betrachten. Aber, dieses Weisse, ohne Rücksicht auf seine solche Sublimation, bleibt immer im Rahmen der natürlichen Verhältnisse, es trans-zendentiert nicht, es projiziert nicht seine Werte und innere Sinne zu metaphysischen Schichten der Bildexistenz, seine Schönheit nimmt nicht die universalen Eigenschaften und vollständige Selbständigkeit an. All das, auf seinen Leinwänden, setzt sich in ein dionysisches Begeisterungsprinzip durch, das nie von Gegenständlichem, unmittelbar Gesehenem befreit wird. Dadurch beendet er den Kreis vom Anfangsimpuls bis zum Ende des Erschaffens. Aber diese Kreislinie ist nicht ideal, die Endbindung bleibt labil, die Szene wird nicht buchstäblich auf die Leinwand übertragen, der Maler Iäßt sie durch den Filter seines Merkens durch, indem er sie auf jene Elemente stilisiert, bei denen er die eigenen Emotionen konzentriert. Die Details, als Träger der Individualität des Ambientes, verschwinden, und der Träger der Individualität wird zum Extrakt des Weissen, das der Künstler zum Begriff der Schönheit und zu seinem persönlichen Standpunkt gegen die Welt der Gegenstände und die Welt allgemein generalisiert.

Es war ein Weg, der den Dzombic zur Befreiung der Farbe vom Gegenständlichen, zur Abstraktion führen konnte, die auf dem suprematistischen Weissen Kreis auf dem "Weissen Quadrat" von Kazimir Maljevic assoziiert wurde ....

Ein Exponat wird besonders betont, auf einer Winterlandschaft(die schon von einem wirklichen Erleben des Autors zeugt) befindet sich ein dunkles Quadrat, das ein starker Kontrast dem allgemeinen Ton ist. Es trägt in sich, schon in der ersten Schicht, eine Kraft der visuellen Sensation, es ist voll von bildlicher Gleichförmigkeit der Inspiration und Idee. Hier haben wir ein erschütterndes Verhältnis der zerstörten Schönheit, von der wir schon gesprochen haben, als wir über seine Wintermotive überlegt haben. Diese sublimierte Schönheit der weißen Kristalle wird von diesem dunklen Quadrat gefangen genommen und befleckt. Aber, Dzombics Imagination hielt nicht da an. Diesen verdunkelten Kreis bereichert er mit neuen Elementen. Das sind die Elemente irgend eines Schüsselchens, eines ertrunkenen Raumes, ähnlich wie die menschliche Handfläche. Ein Blitzstrahl, voll von Fürchterlichkeit, bricht diesen Raum mit seinem Erglühen ab. Die Anspielung des ersten Plans verfließt aus anderen ähnlichen Exponaten hier, um in inneren Schichten eine erschütternde Kraft des Tragischen zu erleben. Dies ist auch sein bedeutendes Werk, das er in seinem bisherigen Schaffensdrang geschaffen hat.

Sarajevo, 25.12 1993 Vojislav Vujanovic

Übersetzung: Mirsada Emric


Münstersche Zeitung, 11.03.1998

Ölbilder und ein Musical aus Sarajevo

"....Eingeladen wurde Mirsad Dzombis von der Münsteraner "Initiative gegen den Krieg in Bosnien-Herzegowina", die die Ausstellung mit Unterstützung des Kulturamtes der Stadt Münster sowie der Stiftung für Kunst und Kultur NRW organisiert hatte.

Bildtitel wie beispielsweise "Flammender Himmel", "Schicksalswege", "Spuren der Zerstörung" und "Gegen die Dunkelheit" machen deutlich, daß es sich hier um eine Ausstellung handelt, die nicht nur von Emotionen geprägt ist, sondern auch in starkem Maße Gefühle und Assoziationen zu wecken vermag. Die Bildkompositionen und Farbwahl lassen dem Betrachter die Möglichkeit, eigene Schlüsse zu ziehen und inhaltliche Schwerpunkte zu setzen. "Ich habe mich innerhalb meiner hier präsentierten Bildreihe auf drei Themenkomplexe konzentriert: die bosnische Realität, die Frauen und die Zukunft", erläuterte der Künstler.

Doch nicht nur eine sehenswerte Ausstellung lockte die Besucher am Samstagabend ins Bürgerzentrum: Ein schwungvoll inszeniertes Musical, das sich ebenfalls mit dem Bosnien-Krieg auseinandersetzt, zog das Publikum in seinen Bann......."


Westfälischer Anzeiger, 06.05.99

Licht durchbricht winterliches Dunkel

"....wenn auch nur 20 Arbeiten in Öl und Aquarell zu sehen sind, offenbaren sie doch das Können des 39jährigen Künstlers: Immer wieder durchbricht das pure Licht in Form heller Farben das Dunkel der winterlichen Landschaften.......darum gelingt ihm auch besonders in den Aquarellen eine tendentielle Abstraktion, die allein noch die Landschaft als Landschaft ohne Details erkennen läßt. Denn der gebürtige Bosnier hat nicht die Natur naturgetreu abgebildet, sondern sie in Ausschnitten in oft diffuse Atmosphäre getaucht. Das Nebulöse wirkt geheimnisvoll...."

Sonntags Rundblick, 06.06.99

Aquarelle und Ölbilder
M. Dzombic stellt aus

"....als er zum ersten Mal nach Westfalen kam, war es Winter. Der Künster nahm als erstes die kühlen Töne, die Nuancen von kaltem Grau, Weiß und Blau wahr. Kein Wunder also, da ein Großteil der Exponate im Glaselefanten "Winterbilder" sind. Diese "Winterbilder" spiegeln zum anderen auch die Gefühle des Bosniers ....